Ein Arbeiter in einem Industriegebäude steht neben Stahlformen. Links steht der Text „Was uns bewegt: Menschen.“ Rechts ist der Text „Was uns antreibt: Technik.“ Die Texte sind in auffälligen Schriftarten gestaltet, die sowohl Informationen über Mensch und Technik transportieren.

All DIMENSIONS #2

Mensch und Maschine

50 Jahre Pioniere im Untergrund

 

 

In 50 Jahren Unternehmensgeschichte passiert mehr, als in ein Editorial passt. Im Video geben Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht und Martin-Devid Herrenknecht ein paar Einblicke.

 

Im Bann der Maschine

Tunnelbau im Hartgestein hautnah

 

Am Gotthard müssen Mineure schier Unmögliches leisten. Sie fräsen sich durch harten Granit und brüchigen Schiefer, trotzen extremen Bedingungen und dem Eigenleben des Berges. Für den Bau einer zweiten Straßenröhre durch das Alpenmassiv braucht es Technologie in ihrer verlässlichsten Form sowie ein Team, das eins mit ihr wird. Mensch und Maschine verschieben hier einmal mehr die Grenzen des Machbaren. Und genau hier beginnt der Service: direkt auf der Baustelle, tief im Berg und in ständigem Austausch mit der Mannschaft vor Ort. Direkte Einblicke in die Arbeit am Gotthard gibt’s im Video: 

 

“Ob mich der Schildfahrer mit einer dringenden Frage anruft oder der Maschinenmeister mir per WhatsApp ein Video von einer verschlissenen Komponente schickt – gemeinsam finden wir immer einen Weg.”

Hauke Helmerichs, Service Expert | Herrenknecht AG

Die Arbeitsgemeinschaft „Secondo tubo“ (Implenia Schweiz und Frutiger) und Marti Tunnel fahren von Norden beziehungsweise Süden her eine insgesamt 16,9 Kilometer lange röhre zwischen Göschenen im Kanton Uri und Airolo im Tessin auf. Dafür bewegen sie zwei Einfachschild-TBM von Herrenknecht mit Durchmessern von 12.225 Millimetern und 12.310 Millimetern im Berg aufeinander zu.

Service-Experte Hauke Helmerichs sagt: “Die größte Herausforderung ist die geologie. Alles andere können wir beeinflussen.” Der Gotthard ist in Bewegung – denn die afrikanische und die eurasische Kontinentalplatte drücken gegeneinander und lassen die Alpen weiter wachsen. Der Berg steht unter enormer tektonischer Spannung, seine Schichten verschieben sich langsam. Beim Vortrieb treffen die Mineure auf sehr harten Granit, im Verlauf erwartet sie aber auch verwittertes Gestein.

Die Maschine arbeitet dabei auch unter widrigsten Umständen zuverlässig, viele prozesse laufen bereits automatisch – doch am Ende entscheidet der Faktor Mensch. Es bedarf einer Mannschaft, welche die Technologie instand hält, laufend auf Unvorhergesehenes reagiert und vor allem: sehr viel miteinander kommuniziert.

Hauke Helmerichs kennt die Tunnelbohrmaschine am Gotthard bis ins Detail. Er hat ihre Montage geplant, die Inbetriebnahme begleitet und ist auch während des Vortriebs regelmäßig vor Ort.

 

Der Service-Experte auf „seiner“ Baustelle: 
Hauke Helmerichs hat die Montage der TBM auf der Baustelle auf der Gotthard-Nordseite geplant und vor Ort über ein dreiviertel Jahr hinweg geleitet. Auch während des Vortriebs besucht er die Baustelle regelmäßig und lässt sich dabei von TBM „Alessandra“ in ihren Bann ziehen.

 

Baustelle in der Uri-Postkarte:
Parallel zur bestehenden Straßenröhre (links unten im Bild), die renoviert werden soll, entsteht die zweite Straßenröhre – auf dem Bild zu sehen sind die stützenden Steifen des Startschachts. Der Zugang für Hauke Helmerichs und den Autor mit dem Auto in den Tunnel ist eine Ebene weiter oben.

In das Gotthardmassiv:
Hauke Helmerichs (links) auf den Weg zur Wartungsschicht, begleitet vom Autor der Reportage.

Volle Kraft auf Werkzeugwechsel: 
Mit vereinten Kräften werden die Abbauwerkzeuge vorne im Bohrkopf ausgetauscht. Das Team arbeitet gemeinsam am Transport einer Schneidrolle – Gewicht: 191 Kilo – per Druckluftkettenzug.

Im Steuerstand: 
Zwischen den Monitoren, Reglern und Assistenzsystemen für den effizienten Vortrieb klappt Hauke Helmerichs auch mal seinen Computer auf, um mit dem Team von Maschinenfahrer Balatti alles um den Vortrieb herum zu klären.

Markus Lassacher am Druckluftkettenzug: 
Der Schildfahrer arbeitet überwiegend vom Steuerstand aus, aber packt wie hier auch beim Werkzeugwechsel und beim Abtransport an.

Ringbau im Schweizer System: 
Die Tunnelringe entstehen hier in Druckringbauweise. Der Ring wird dabei mit einem Nut-Feder-System eingesetzt. Bei korrekter Ausführung spart das Zeit.

Ein lächelnder Mann in orangefarbener Arbeitskleidung und einem Schutzhelm steht vor einer technischen Umgebung. Er schaut direkt in die Kamera, während im Hintergrund Maschinen und Rohre sichtbar sind, die auf eine industrielle Arbeitsumgebung hindeuten.
Eine Luftaufnahme eines Tals mit grünen Bergen, das von einer Stadt umgeben ist. Im Vordergrund sind Baustellen, Straßen und Bahngleise zu sehen. Die Landschaft ist dicht bewaldet, und es gibt fließendes Wasser in der Nähe. Das Wetter wirkt bewölkt.
Blick aus einem Fahrzeug auf einen langen, beleuchteten Tunnelabschnitt. Zwei Männer, die Sicherheitshelme tragen, sitzen im Vordergrund. An der Tunnelwand sind verschiedene Lichtsignale zu sehen, während der Boden glänzend und nass wirkt.
Auf dem Bild sind zwei Bauarbeiter in einem engen Schacht zu sehen. Der obere Arbeiter sichert eine Seilwinde, während der untere Arbeiter an einer Leiter nach oben klettert. Beide sind mit Schutzhelmen und orangefarbener Arbeitskleidung ausgestattet. Der Schacht ist staubig und dunkel.
Drei Arbeiter in Sicherheitskleidung stehen in einem Container, der mit technischen Geräten ausgestattet ist. Einer sitzt an einem Computer, während die anderen beiden auf den Bildschirm schauen. Logos von Firmen sind an der Wand sichtbar.
Ein Techniker steht in einer modernen Aufzugszentrale und blickt auf eine große Aufzugsglocke. Er trägt Arbeitskleidung und eine Kappe. Die Umgebung ist industriell und gut beleuchtet, mit sichtbaren Metallstrukturen im Hintergrund.
Ein Blick ins Innere einer Tunnelbohrmaschine zeigt Arbeiter in orangefarbener Kleidung, die an der Maschine und um sie herum beschäftigt sind. Kabel und Rohre verlaufen entlang der Wände. Die Szene vermittelt das Gefühl von industrieller Arbeit und Technik im Tunnelbau.

In Tech We Trust?

"Mensch und Maschine" – das ist vor allem eine Frage der Aufgabenteilung
 

“Zu wenig oder zu viel vertrauen in ein autonomes System zu haben – beides kann zu problemen führen.”


Professor Dr. Christoph Bartneck
Fakultät für Informatik und Softwaretechnik | University of Canterbury, Neuseeland

Automatisierung macht unser Leben leichter – und unsere Arbeit zunehmend effizienter. Mal mehr und mal weniger. Wie so oft kommt es auf das richtige maß an Vertrauen an, wenn Mensch und Maschine interagieren, meint unser Autor Professor Dr. Christoph Bartneck. Deshalb fordert er die Hersteller auf, klar zu kennzeichnen, wer in welchem Moment die Kontrolle hat – Mensch oder Maschine.

Den kompletten Artikel von Professor Dr. Christoph Bartneck, Lehrstuhlinhaber an der Fakultät für Informatik und Softwaretechnik der neuseeländischen University of Canterbury, lesen sie hier oder in der Printausgabe unseres Magazins "All Dimensions".


 


Mit Hochdruck für die Energiewende

Elbquerung für ein zentrales Netzausbauprojekt in Deutschland

 

Vor der Elbmündung in die Nordsee arbeitet ein Herrenknecht-Mixschild  an der Transformation des Energiesystems mit. Hier, im hohen Norden, entsteht ein Tunnel für eine der künftig wichtigsten Stromtrassen Deutschlands.

 

Mit SuedLink entsteht eines der zentralen Netzausbauprojekte der energiewende in deutschland. Über rund 700 Kilometer soll die Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung künftig Strom von den Windkraftregionen im Norden bis zu den Industriezentren in Süddeutschland transportieren. Ein Schlüsselabschnitt des Projekts ist die rund 5,2 Kilometer lange unterquerung der elbe zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen.

Im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers TenneT realisieren die ARGE Tunnel ElbX, PORR und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG diesen Tunnel, der sechs 525-kV-Kabel sowie die erforderliche Leit-, Sicherheits- und Überwachungstechnik aufnehmen wird. Zusätzlich entstehen Schienenanlagen für Wartungs- und Servicefahrzeuge. Das Projekt steht exemplarisch für mehr als 4.500 Querungen, die allein in Deutschland im Zuge des Netzausbaus notwendig werden.

Damit Tunnelbohrmaschine Elsa planmäßig im Zielschacht bei Wischhafen durchbrechen kann, haben die Herrenknecht-Ingenieure in enger Abstimmung mit den Ingenieuren der Bauunternehmen PORR sowie Wayss & Freytag Ingenieurbau AG eine Maschine entwickelt, die man nicht alle Tage sieht. Sie muss auf der geologisch sehr heterogenen Bohrstrecke sowohl sehr klebrigen Lauenburger Ton als verschiedene abrasive Sande und Kiese überwinden. “Die herausforderung bestand darin, die technik des hochkomplexen mixschilds in einer maschine von nur knapp 5 metern durchmesser unterzubringen”, sagt Johannes Faißt, Senior-Projektleiter Traffic Tunnelling bei Herrenknecht. Der 190 Meter lange Mixschild mit 4,9 Metern Durchmesser ist für wechselhafte und komplexe Geologien aus Ton, Klei, Torf, Sand, Kies sowie für hohen Wasserdruck bis zu 3,8 Bar unter der Elbe konzipiert. Ein mehrfaches Dichtungssystem schützt die Maschine in rund 20 Metern Tiefe zuverlässig vor eindringendem Wasser. Gleichzeitig werden während des Vortriebs Betonfertigteile eingesetzt, die den Tunnel dauerhaft auskleiden.

Seit Anfang 2025 ist die Maschine vollständig montiert unterwegs. Am 16. November 2025 haben die Vortriebsmannschaften der ARGE Tunnel ElbX bereits 2.600 Meter Tunnel und damit die Hälfte der Vortriebsstrecke aufgefahren und feierten das sogenannte Bergfest. 

 

Am Kranhaken auf der beeindruckenden ElbX-Baustelle: TBM Elsa hat die letzte Etappe ihrer Reise per Schiff und Schwertransport beendet und wird in den Startschacht nahe der Elbe abgesenkt.


Mit der Metro durch die Polis

Eine etwas andere Athen-reise

 

Rund um den Omonia-Platz schiebt sich der Verkehr Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen – der schnellste Weg durch Athen liegt unter der Oberfläche: die Metro. Reisejournalist Niklas Hoth und Fotografin Kate Lang steigen hinab in Athens Unterwelt und entdecken dabei weit mehr als einen praktischen Weg durch die Stadt: Ein tunnelnetz, das auch mithilfe von Herrenknecht-tunnelbohrmaschinen gebaut wurde. Auch aktuell treiben zwei Herrenknecht EPB-Schilde die neue Linie 4 voran. Auf dem Weg zu den bestehenden U-Bahn-Linien zeigt sich dem aufmerksamen Betrachter zwischen Bahnsteigen und Rolltreppen buchstäblich ein unterirdisches Archäologiemuseum. So verbinden sich in der Athener U-Bahn Vergangenheit und Gegenwart: Archäologie zum Innehalten und modernste Tunneltechnik für die Fortbewegung der Zukunft.

Außen Graffiti, innen antike Wandbilder: Die Metro in Athen bietet besondere Wege durch den urbanen Raum.

Vorbei an Museumsstücken, wie diesen Tonvasen, geht der Metro-Alltag für die Athener weiter.

Niklas Hoth ist Reisejournalist, Radiomoderator, Host des Podcast „Reisen auf Gleisen“ und widmet sich auch im Blog „Auf Schiene“ der für ihn schönsten Art zu reisen. Sein Auftrag für die Leser von All Dimensions: sich den Untergrund von Athen einmal genauer anzuschauen.
 

„Kommt mit ins Museum“: Wo die Menschen entweder zu den Metrostationen oder ans Tageslicht strömen, gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die der Autor genutzt hat: stehen bleiben und staunen über die antiken Schätze, die hier ausgestellt sind.

Wer in der griechischen Metropole eine Metro durch den Untergrund gräbt, der stößt auf archäologische Funde: wie hier die Nachbildung des Wandfrieses des Parthenon-Tempels.

Innehalten inmitten des Metro-Trubels: Panathenäische Preisamphoren, wie sie in der Antike Siegern von sportlichen Wettkämpfen überreicht wurden.

„Je länger ich mir die Ausstellungsstücke anschaue, desto mehr vergesse ich, dass ich nicht in einem echten Museum bin, sondern in der U-Bahn.“

Im Anschluss an geologische Probebohrungen haben die Ingenieure für den Tunnelbau zur Sicherheit kleinere Erkundungsstollen rund um die Station vorgetrieben. Dabei zeigt sich Geschichte hautnah: Der Rohbau des Tunnels legte Unmengen an antiken Tongefäßen frei, die in die Tunnelbaustelle geschwemmt wurden.

Verzierte Tonkrüge, Töpfe und Scherben: Auf seiner Fahrt durch den Athener Untergrund kann sich der Reisejournalist kaum sattsehen. Hier ein Fundstück, das in der Station Akropoli ausgestellt ist. 

Zu den Highlights über der Erde zählt das Vallianeo Megaron, die Nationalbibliothek.

Eine Metro-Bahn mit orangefarbener Front fährt in eine Station ein. Auf dem Bahnsteig stehen mehrere Passagiere, während die umliegende Architektur und Graffiti im Hintergrund sichtbar sind. Der Himmel ist teilweise bewölkt.
Drei Tontöpfe stehen auf Podesten in einer Vitrine. Der größte Topf hat eine runde Form mit einem Henkel und einer gestreiften Oberfläche. Die beiden kleineren Töpfe sind einfach gestaltet. Im Hintergrund sind unscharfe Silhouetten von Personen zu sehen.
Ein Mann steht lächelnd vor einem historischen Gebäude mit Säulen. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen, die die Architektur betrachten. Die Stimmung wirkt entspannt und freundlich.
Eine Person steht in einer U-Bahn-Station. Die Wände der Station sind hell und oval geformt. Im Hintergrund ist eine U-Bahn zu sehen, die am Bahnsteig hält. Der Boden ist plattiert und reflektiert das Licht.
Eine Wand mit einem Relief, das historische Reiterdarstellungen zeigt. Die Szenen sind in mehreren Abschnitten angeordnet und heben dynamische Bewegungen und Kämpfe hervor. Am linken Rand befindet sich eine Informationstafel mit Text. Der Hintergrund ist neutral und schlicht gehalten.
Ein Mann steht vor einer Glasvitrine in einem Museum und betrachtet mehrere große alte Tongefäße. Die Vitrine ist in einem modernen Raum mit hellen Wänden und einem grauen Boden. Licht fällt auf die Gefäße, die neben einer Wand aus Marmor stehen.
Eine Person betrachtet Vasen in einer Ausstellungsfläche, während im Hintergrund weitere Menschen vorbeigehen. Die Umgebung ist modern und gut beleuchtet, mit reflektierenden Oberflächen und minimalistischer Architektur.
Ein Mann steht vor einem großen Wandbild, das einen schmutzigen Tunnel mit Müll zeigt. Der Tunnel wirkt dunkel und unheimlich, während der Mann in einem schwarzen Hoodie und Jeans vor dem Bild steht und es betrachtet.
Das Bild zeigt eine antike griechische Darstellung von Figuren, die musizieren und tanzen. Einige halten Instrumente wie eine Flöte, während andere sich in dynamischen Posen bewegen. Der Hintergrund ist in dunklen Blau- und Grautönen gehalten, um die Szene zu betonen.
Ein imposantes Gebäude mit klassizistischer Architektur, das große Säulen und eine breite Treppe zeigt. Das Dach hat ein Flaggenmast. Um das Gebäude herum stehen Bäume, die eine grüne Umgebung schaffen.

Von Kuala Lumpur bis Sydney

Der lange weg zu einer autonomen TBM

Klar ist: Die Automatisierung von Prozessen auf Tunnelbohrmaschinen steigert die Gesamteffizienz und die Arbeitssicherheit. Klar ist aber auch: Die Komplexität des maschinellen Tunnelvortriebs stellt höchste Anforderungen an eine schrittweise Optimierung von Automatisierungs- und Assistenzsystemen. 

Gusztáv (Gus) Klados vom malaysischen Bauunternehmens Gamuda erzählt in unserem Magazin „All Dimensions“, welche Hürden auf dem Weg zur Autonomous TBM zu überwinden waren – und wie sich jahrelange Entwicklungsarbeit zuerst auf Herrenknecht-Maschinen in Kuala Lumpur und später auf zwei Doppelschild-TBM in Sydney auszahlte. Seine Prognose: Automatisierung wird Den Menschen nicht ersetzen, aber seine Rolle im maschinellen Tunnelbau grundlegend verändern. 

Gus Klados trieb als langjähriger TBM-Spezialist bei Gamuda maßgeblich die Entwicklung der Autonomous TBM voran.

„Anfangs war ich ehrlich gesagt ein wenig skeptisch. Aber was Gamuda erreicht hat, ist ein riesiger Fortschritt für unsere Branche – ein überzeugender Beleg dafür, dass dieser Ansatz in der Praxis funktioniert“ 

Matthias Schwärzel
Leiter im Projektmanagement bei Herrenknecht
 

Ein Mann mit einem nachdenklichen Ausdruck sitzt in einem Anzug und einer Krawatte. Er hat kurze, graue Haare und stützt sein Gesicht mit der Hand ab. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt einen Bürobereich.
Ein Mann in einem reflektierenden Warnanzug und einem weißen Helm lehnt an einem Geländer. Er lächelt in die Kamera und steht vor einer industriellen Kulisse, die unbestimmt ist. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Arbeitssicherheit und Professionalität.

Ein Team, ein Tunnel

Metro-Premiere unter dem Panamakanal

 

Zum ersten Mal in der Geschichte entsteht ein U-Bahn-Tunnel unter dem Panamakanal: ein infrastruktueller Meilenstein für Panama-Stadt. Das Projekt der Metrolinie 3 soll die chronische Verkehrsüberlastung zwischen Stadtzentrum und dem Westen des Landes deutlich reduzieren und die Mobilität für Tausende Pendler nachhaltig verbessern. Herrenknecht unterstützt mit einem leistungsstarken Mixschild mit 13,46 Metern Durchmesser. 

 

“Wenn der Tunnel ein Erfolg wird, gehören Brücken über den Kanal der Vergangenheit an.”

Francisco Avila, CEO | Herrenknecht Panama

Wechselhafte Geologien aus Tuff, Sandstein, Tonstein und vulkanischen Gesteinen. Der Herrenknecht Mixschild arbeitet sich in Panama durch komplexe geologie und stemmt sich gegen hohen Grundwasserdruck. Der Tunnel verläuft in bis zu 68 metern tiefe unter einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, ohne den Schiffsverkehr auch nur minimal zu beeinträchtigen. Rund 5 bis 6 Prozent des globalen Schiffshandels passieren den Panamakanal. „Der Kanal ist heilig. Nichts darf ihn stören“, betont Francisco Avila, CEO von Herrenknecht Tunnelling Services Panama. 

Realisiert wird das Projekt vom Joint Venture Consorcio HPH. Herrenknecht liefert dabei nicht nur die Tunnelbohrmaschine, sondern ein umfassendes System aus Equipment, Service und digitalen Lösungen. Die Plattform Herrenknecht.connected vernetzt Mensch und maschine, stellt Echtzeitdaten bereit und ermöglicht datenbasierte Entscheidungen über alle Projektphasen hinweg.

„Dieser Tunnel wird das Leben vieler Menschen erheblich verbessern – und die Zukunft Panamas prägen“, sagt Santiago Álvarez, Senior Project Manager bei Herrenknecht. Das Projekt steht exemplarisch für einen integrierten „One-Team“-Ansatz, bei dem Globale Expertise, moderne Technologie Und lokale zusammenarbeit neue Maßstäbe im urbanen Tunnelbau setzen.

 

Letzte Kontrolle vor der Abreise in Schwanau. Der Mixschild besteht die Werksabnahme mit Projektleiter Projektdirektor Carlos E. Cedeño der Metro de Panamá (Mitte), Herrenknecht-Panama-Chef Francisco Avila (rechts), Jürgen Hoss, Leiter im Projektmanagement bei Herrenknecht (links) und dem Herrenknecht-Team.


Wenn Größe Form annimmt

Die Werksmontage der Großdurchmesser-tbm

 

Gebaut für den Einsatz im Silicon Valley im Rahmen der Streckenerweiterung des Bay area rapid transit (BART). Ein Projekt der Santa Clara Valley Transportation Authority (VTA) in den USA. Die Bilderstrecke begleitet die Montage im Herrenknecht-Werk in Schwanau.

Das nächste große Ding: Allein der Hauptantrieb der über 16 Meter durchmessenden Maschine wiegt über 300 Tonnen. Mit dem Portalkran wird er in Position gebracht und an den Schild angehoben.

Das Herrenknecht-Team sichert nach dem Einbau des Hauptantriebs die erforderlichen Motoren und Stehbolzen.
 

Portalkranmeister Rolf Drexler ist mit seinem Team für den reibungslosen Ablauf der Arbeiten verantwortlich.

Das blau lackierte Schneidrad mit seinen rund 150 Tonnen wird montiert.

Bevor die TBM tief unter die Erde vorstösst, wird sie von unten bis wirklich ganz oben geprüft.

Echte Teamarbeit bereits bei der Montage lässt Wunderwerke der Technik entstehen.

Die letzten Meter: Mit der Montage der vier äußeren Segmente wird das Schneidrad fertiggestellt.

Bernd Kupfer, Leiter der Vor- und Werkstattmontage bei Herrenknecht in Schwanau, überwacht die Arbeiten. 

Präzisionsarbeit an der Förderschnecke: Bei den Montagearbeiten an der Förderschnecke des Erdschildes kommt es auf jeden Zentimeter an. Das erfordert Präzision, Erfahrung und Teamarbeit.

Geschafft: Das Team und die fertig montierte TBM meistern die Werksabnahme mit Bravour.

Der Höhepunkt der Werksabnahme: Dr.-Ing. E. h. Martin Herrenknecht (rechts) übergibt den Bauherren VTA und dem Kiewit Shea Traylor Joint Venture (KSTJV) voller Stolz die Tunnelbohrmaschine. Gemeinsam setzen sie das Schneidrad mit Druck auf den Schalter in Bewegung.


Präzision trifft auf Langstrecke

546 meter rekordvortrieb in rio

 

Der Ausbau lokaler Abwassersysteme fördert entscheidend die nachhaltige entwicklung von Großstädten. Dies hat sich auch das brasilianische Rio de Janeiro auf die Fahnen geschrieben. Hier vertraute das Bauunternehmen Passarelli beim Bau des Abwassersammelkanals Faria Timbó auf projektspezifisch angepasste technologie und kompetenten Service von Herrenknecht – mit Erfolg: Der bislang längste aus einem Schacht ausgeführte Rohrvortrieb durch harten Fels in Lateinamerika ist vollbracht. 

Mit 546 Metern zum Rekord

Der anstehende Fels bestand aus kompaktem, standfestem Gneis mit einer Druckfestigkeit von 165 Megapascal und einem Cerchar-Index von 2 bis 4, was ihn als sehr abrasiv einstuft. Dies führte im Verlauf des Vortriebs zu zahlreichen Werkzeugwechseln, die mit zunehmender Tunnellänge immer anspruchsvoller, zeitaufwändiger und körperlich anstrengender wurden. Der Transport von mehr als 30 Kilogramm schweren Disken in einem Tunnel  mit nur 1.500 Millimetern Durchmesser stellte eine erhebliche Herausforderung für das Baustellenteam dar. Dennoch war es die richtige Entscheidung, auf eine Technologie zurückzugreifen, die vor allem Sicherheit und Agilität bei der Ausführung der Arbeiten bietet. Der harte Einsatz des Passarelli-Teams in Kombination mit der bewährten Herrenknecht-Technologie hielt den Vortrieb auf Kurs.

Das Ergebnis ist nicht nur ein technischer Rekord. Passarelli und Herrenknecht haben gemeinsam eine Weltreferenz für grabenlose Projekte aufgestellt. Mehr lesen Sie im ausführlichen Artikel unseres Magazins "All Dimensions".


Sink Twice: VSM-Einsatz in Shanghai

Zwei Schächte, eine Maschine, kein Mensch in der Gefahrenzone

 

Im dicht bebauten Pudong-Distrikt in Shanghai wird mit dem yingbin waterworks project ein zentrales Infrastrukturvorhaben zur nachhaltigen Trinkwasserversorgung realisiert. Für den Bau neuer Rohwasserleitungen waren TBM-Start- und Zielschächte erforderlich – unter extrem beengten Platzverhältnissen, umgeben von Wohnbebauung und Verkehrsinfrastruktur.

Konventionelle Verfahren schieden unter diesen Voraussetzungen aus. Stattdessen kam eine Vertical Shaft Sinking Machine (VSM) von Herrenknecht zum Einsatz. Mit der VSM13000 wurden Zwei Schächte nacheinander mit nur einer Anlage abgeteuft: ein 30 Meter und ein 39,5 Meter tiefer Schacht bei einem Außendurchmesser von 14,9 Metern. Nach Fertigstellung des ersten Schachts wurde die Maschine umgesetzt und direkt erneut eingesetzt. Dabei war der Einsatz einer VSM zur Erstellung von TBM Start- und Zielschächten für China eine Premiere.

Mehr sicherheit, mehr effizienz. Neben der Möglichkeit, Zeit- und Platzbedarf um bis zu 50 Prozent zu reduzieren, ist das maschinelle Abteufen mittels VSM vor allem ein Gewinn für die Arbeitssicherheit: Sämtliche Arbeiten, einschließlich der Sicherung der Schachtwand, werden von der Oberfläche aus ferngesteuert durchgeführt.


Against All Odds

Vom Unmöglichen zum Durchbruch
 

Die wenigsten Vortriebe halten sich vom ersten bis zum letzten Tübbing an die Theorie des Lehrbuchs. Auch dann nicht, wenn umfassende Planung, durchdachte Technologie und erfahrene Teams im Einsatz sind. Im Fall der Fälle geht es dann nur voran, Wenn mensch und Maschine gemeinsam ihr ganzes können in die Waagschale werfen. Unzählige Male haben Kolleginnen und Kollegen aus allen Herrenknecht-Disziplinen in den vergangenen Jahrzehnten bewirkt, dass vermeintlich unmögliche Vortriebe doch erfolgreich abgeschlossen oder unerwartete Widerstände überwunden wurden. So entstehen vertrauensvolle Partnerschaften, die den Durchbruch zum Zielschacht überhaupt erst möglich machen. Eine Auswahl anekdotischer Stippvisiten aus fünf Jahrzehnten.

Eine Gruppe von Arbeitern steht in einem unterirdischen Tunnel vor einer großen, runden Tür. Die Umgebung ist aus Stein und es gibt Wasserpfützen am Boden. Das Licht ist schwach und betont die massive Tür sowie die rauen Wände des Tunnels.

Hallandsås | Schweden

Zwei vorherige Versuche waren gescheitert und hatten teilweise massive Umweltschäden hinterlassen. Erst die Herrenknecht-Maschine (Multi-Mode-TBM, Ø 10.530 mm) schafft den erfolgreichen Durchbruch beim zweiröhrigen Hallandsås -Eisenbahntunnel. Acht Jahre Kampf von 2005 bis 2013 für knapp 11 km Tunnel durch blockigen Fels und bis zu 10 Bar Grundwasserdruck. Zweimal wird ein komplett neuer Bohrkopf installiert. Streckenweise finden alle 5 m Bohrkopfinspektionen statt.

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Ein großes Tunnelbohrgerät ist in einer Baugrube positioniert. Mehrere Bauarbeiter in Schutzkleidung arbeiten an der Maschine. Im Hintergrund sind weitere Baugeräte und Baustellenmaterialien sichtbar. Die Szene zeigt den Bau- und Maschinenprozess in einer urbanen Umgebung.

Pavoncelli | Italien

Seit einem Erdbeben im November 1980 war der Pavoncelli-Wassertunnel in Süditalien so stark beschädigt, dass ein paralleler Neubau notwendig wurde. Mehrere konventionelle Vortriebsversuche scheitern an komplexer Geologie und hohem Wasserdruck. Sie hinterlassen teils geflutete, teils zubetonierte Tunnelfragmente. Im nächsten Versuch vertrauen die italienischen Tunnelbauer auf einen Herrenknecht-EPB-Schild mit einem kompakten Durchmesser von nur 4,55 m. Neben Wasser und Fels stellt vor allem das auftretende Methangas eine Herausforderung für die Baustelle dar. Mit der Maschine bereits im Vortrieb erdenken und konstruieren die Herrenknecht-Ingenieure zusammen mit ihren Servicekollegen umfangreiche Anpassungen im engen Schild, die Mensch und Maschine gegen Gasrisiken absichern. 2017 findet der Durchbruch nach drei Jahren und rund 8,5 km Vortrieb statt. 

Zwei große Tunnelbohrmaschinen stehen nebeneinander in einer Halle. Eine ist rot und die andere blau. Die Maschinen haben charakteristische runde Köpfe mit vielen Öffnungen und technischen Details. Sie befinden sich auf speziellen Unterlagen, bereit für den Einsatz.

Arrowhead | USA

Der Arrowhead-Tunnel soll dazu beitragen, die Wasserversorgung in Kalifornien sicherzustellen. Der Vortrieb wird wesentlich von der San-Andreas-Verwerfung charakterisiert: extrem hoher Grundwasserdruck und stark zerrütteter Fels. Die beiden Einfachschild-TBM sind von Haus aus unter anderem mit ihrer Umbaubarkeit auf Slurry-Betrieb und mit umfangreicher Injektionsbohrausrüstung zur Felsstabilisierung bestens gewappnet. Der Vortrieb kommt nur langsam voran, weil die Mineure ihren Job und ihre Verantwortung ernst nehmen. Herrenknecht bleibt über fünf Jahre von 2003 bis 2008 am Ball und unterstützt die Baustelle zuverlässig mit Know-how sowie Ersatz- und Verschleißteilen. Anders als alle früheren Versuche, den Tunnel zu bauen, gelingt der Vortrieb mit den beiden Herrenknecht-Maschinen.

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Eine Tunnelbohrmaschine ist sichtbar, im Inneren des Rohrs arbeiten zwei Personen in Schutzkleidung. Das Licht hat einen grünen Schimmer, und technische Ausrüstung ist um sie herum angeordnet. Holzboxen und Kabel sind im Vordergrund zu sehen.

Suez Canal Crossing | Ägypten

Der Suezkanal in Ägypten soll um eine parallele Fahrrinne erweitert werden. Eine bestehende Frischwasserleitung muss in den Untergrund verlegt werden, damit sie den Erweiterungsbau unterquert. Der Tunnelvortrieb soll abgeschlossen sein, bevor der neue Kanalabschnitt gebaut wird. Es herrscht enormer Zeitdruck. Direkt zum Start des Vortriebs versagt 2014 eine Dichtung der Anfahrkonstruktion, der Schacht läuft komplett mit Wasser voll. Schachttrockenlegung, Fehlersuche und Fehlerbehebung, Reparatur der vom Wasser beschädigten Komponenten – alles unter Zeit- und alternativlosem Erfolgsdruck. Am Ende gewinnen der Wille und die Kompetenz, der Vortrieb gelingt.

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Ein großer, zylindrischer Tunnelbohrer in gelber Farbe steht in einer Werkhalle. Der vordere Teil des Bohrers hat eine kreisförmige Front mit mehreren Schneidewerkzeugen. Die Maschine ist auf Holzgestellen platziert und wird von einem Arbeitsumfeld umgeben.

Palm Island | Vereinigte Arabische Emirate

Die AVND2500AH bohrt sich Rohrsegment für Rohrsegment durch den Untergrund. Es sieht gut aus für den Schutztunnel, durch den Wasser-, Strom- und Datenleitungen auf die „Palm Jumeirah“ vor der Küste geführt werden sollen. Bis die Vortriebskräfte immer stärker ansteigen und schließlich bei 350 m deutliche Schäden innen an den Vortriebsrohren zu erkennen sind. Von Schwanau aus und vor Ort leisten Herrenknecht- Spezialisten unermüdlich Support bei Analyse und Behebung. Zuerst müssen allerdings zum Schutz der Arbeiter im Tunnel zusätzliche Stahltübbinge an der Schadensstelle eingebaut werden. Der Grund für die Schwergängigkeit wird gefunden und die Lösung zeigt Wirkung: Das Material, das außen am Rohrstrang angehaftet hatte, wird mit Hochdruck ausgespült. Der Vortrieb wird fortgesetzt und endet schließlich erfolgreich im Zielschacht.

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Das Bild zeigt eine große Tunnelbohrmaschine in einer Halle. Die Maschine hat eine runde Vorderseite mit einer blauen und weißen Farbgebung sowie gelben Elementen. Im Hintergrund sind weitere Maschinen und industrielle Ausrüstung sichtbar, aber der Fokus liegt auf der Tunnelbohrmaschine.

Lake Mead | USA

15 Bar Druck – damit geht die Maschine für den Lake-Mead-Wassertunnel in die Geschichte des maschinellen Tunnelbaus ein. Der Wasserdruck und die Abrasivität des Gesteins fordern ihren Tribut. Der Materialverschleiß ist immens. Ständig müssen im laufenden Vortrieb Lösungen gefunden werden, Dichtungen, Ritzellager oder Abbauwerkzeuge getauscht oder saniert werden. Der 4,4 km lange Vortrieb dauert von 2011 bis 2014. In der Fachwelt hatten feste Zweifel vorgeherrscht, ob der Vortrieb überhaupt technisch möglich sei. Das Baustellenteam und der Herrenknecht-Support können die Zweifel ausräumen.

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Das Bild zeigt einen großen Tunnelbohrer an einer Baustelle. Im Vordergrund verlaufen Gleise in den Tunnel, während Arbeiter in grüner Kleidung sichtbar sind. Der Hintergrund zeigt städtische Gebäude und eine winterliche Landschaft. Die Szene vermittelt den Eindruck eines umfangreichen Tiefbauprojekts.

St. Petersburg | Russland

Um 30 Grad geneigt direkt ab Start in die Tiefe mit einem 10-Meter-EPB-Schild – das hatte es noch nicht gegeben. Es ist aber die einzige Lösung, um in St. Petersburg bisher nicht mit der Oberfläche verbundene U-Bahnstationen per Rolltreppe zugänglich zu machen. Herrenknecht wird angefragt und liefert: den EPB-Schild, die steil geneigte Anfahrkonstruktion, die Sicherung der Maschine gegen unkontrolliertes Abtauchen, die Tübbinglogistik und der Abraumtransport per Seilzug – alles, was neu gedacht werden muss im Vergleich zum horizontalen Vortrieb. Der Erfolg beim ersten Rolltreppenschacht im Jahr 2012 führt zu zwei weiteren Folgeprojekten unter ähnlich schrägen Verhältnissen.

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Eine Gruppe von Arbeitern steht in einem unterirdischen Tunnel vor einer großen, runden Tür. Die Umgebung ist aus Stein und es gibt Wasserpfützen am Boden. Das Licht ist schwach und betont die massive Tür sowie die rauen Wände des Tunnels.

Hallandsås | Schweden

Zwei vorherige Versuche waren gescheitert und hatten teilweise massive Umweltschäden hinterlassen. Erst die Herrenknecht-Maschine (Multi-Mode-TBM, Ø 10.530 mm) schafft den erfolgreichen Durchbruch beim zweiröhrigen Hallandsås -Eisenbahntunnel. Acht Jahre Kampf von 2005 bis 2013 für knapp 11 km Tunnel durch blockigen Fels und bis zu 10 Bar Grundwasserdruck. Zweimal wird ein komplett neuer Bohrkopf installiert. Streckenweise finden alle 5 m Bohrkopfinspektionen statt.

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Ein großes Tunnelbohrgerät ist in einer Baugrube positioniert. Mehrere Bauarbeiter in Schutzkleidung arbeiten an der Maschine. Im Hintergrund sind weitere Baugeräte und Baustellenmaterialien sichtbar. Die Szene zeigt den Bau- und Maschinenprozess in einer urbanen Umgebung.

Pavoncelli | Italien

Seit einem Erdbeben im November 1980 war der Pavoncelli-Wassertunnel in Süditalien so stark beschädigt, dass ein paralleler Neubau notwendig wurde. Mehrere konventionelle Vortriebsversuche scheitern an komplexer Geologie und hohem Wasserdruck. Sie hinterlassen teils geflutete, teils zubetonierte Tunnelfragmente. Im nächsten Versuch vertrauen die italienischen Tunnelbauer auf einen Herrenknecht-EPB-Schild mit einem kompakten Durchmesser von nur 4,55 m. Neben Wasser und Fels stellt vor allem das auftretende Methangas eine Herausforderung für die Baustelle dar. Mit der Maschine bereits im Vortrieb erdenken und konstruieren die Herrenknecht-Ingenieure zusammen mit ihren Servicekollegen umfangreiche Anpassungen im engen Schild, die Mensch und Maschine gegen Gasrisiken absichern. 2017 findet der Durchbruch nach drei Jahren und rund 8,5 km Vortrieb statt. 

Zwei große Tunnelbohrmaschinen stehen nebeneinander in einer Halle. Eine ist rot und die andere blau. Die Maschinen haben charakteristische runde Köpfe mit vielen Öffnungen und technischen Details. Sie befinden sich auf speziellen Unterlagen, bereit für den Einsatz.

Arrowhead | USA

Der Arrowhead-Tunnel soll dazu beitragen, die Wasserversorgung in Kalifornien sicherzustellen. Der Vortrieb wird wesentlich von der San-Andreas-Verwerfung charakterisiert: extrem hoher Grundwasserdruck und stark zerrütteter Fels. Die beiden Einfachschild-TBM sind von Haus aus unter anderem mit ihrer Umbaubarkeit auf Slurry-Betrieb und mit umfangreicher Injektionsbohrausrüstung zur Felsstabilisierung bestens gewappnet. Der Vortrieb kommt nur langsam voran, weil die Mineure ihren Job und ihre Verantwortung ernst nehmen. Herrenknecht bleibt über fünf Jahre von 2003 bis 2008 am Ball und unterstützt die Baustelle zuverlässig mit Know-how sowie Ersatz- und Verschleißteilen. Anders als alle früheren Versuche, den Tunnel zu bauen, gelingt der Vortrieb mit den beiden Herrenknecht-Maschinen.

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Eine Tunnelbohrmaschine ist sichtbar, im Inneren des Rohrs arbeiten zwei Personen in Schutzkleidung. Das Licht hat einen grünen Schimmer, und technische Ausrüstung ist um sie herum angeordnet. Holzboxen und Kabel sind im Vordergrund zu sehen.

Suez Canal Crossing | Ägypten

Der Suezkanal in Ägypten soll um eine parallele Fahrrinne erweitert werden. Eine bestehende Frischwasserleitung muss in den Untergrund verlegt werden, damit sie den Erweiterungsbau unterquert. Der Tunnelvortrieb soll abgeschlossen sein, bevor der neue Kanalabschnitt gebaut wird. Es herrscht enormer Zeitdruck. Direkt zum Start des Vortriebs versagt 2014 eine Dichtung der Anfahrkonstruktion, der Schacht läuft komplett mit Wasser voll. Schachttrockenlegung, Fehlersuche und Fehlerbehebung, Reparatur der vom Wasser beschädigten Komponenten – alles unter Zeit- und alternativlosem Erfolgsdruck. Am Ende gewinnen der Wille und die Kompetenz, der Vortrieb gelingt.

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Ein großer, zylindrischer Tunnelbohrer in gelber Farbe steht in einer Werkhalle. Der vordere Teil des Bohrers hat eine kreisförmige Front mit mehreren Schneidewerkzeugen. Die Maschine ist auf Holzgestellen platziert und wird von einem Arbeitsumfeld umgeben.

Palm Island | Vereinigte Arabische Emirate

Die AVND2500AH bohrt sich Rohrsegment für Rohrsegment durch den Untergrund. Es sieht gut aus für den Schutztunnel, durch den Wasser-, Strom- und Datenleitungen auf die „Palm Jumeirah“ vor der Küste geführt werden sollen. Bis die Vortriebskräfte immer stärker ansteigen und schließlich bei 350 m deutliche Schäden innen an den Vortriebsrohren zu erkennen sind. Von Schwanau aus und vor Ort leisten Herrenknecht- Spezialisten unermüdlich Support bei Analyse und Behebung. Zuerst müssen allerdings zum Schutz der Arbeiter im Tunnel zusätzliche Stahltübbinge an der Schadensstelle eingebaut werden. Der Grund für die Schwergängigkeit wird gefunden und die Lösung zeigt Wirkung: Das Material, das außen am Rohrstrang angehaftet hatte, wird mit Hochdruck ausgespült. Der Vortrieb wird fortgesetzt und endet schließlich erfolgreich im Zielschacht.

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Das Bild zeigt eine große Tunnelbohrmaschine in einer Halle. Die Maschine hat eine runde Vorderseite mit einer blauen und weißen Farbgebung sowie gelben Elementen. Im Hintergrund sind weitere Maschinen und industrielle Ausrüstung sichtbar, aber der Fokus liegt auf der Tunnelbohrmaschine.

Lake Mead | USA

15 Bar Druck – damit geht die Maschine für den Lake-Mead-Wassertunnel in die Geschichte des maschinellen Tunnelbaus ein. Der Wasserdruck und die Abrasivität des Gesteins fordern ihren Tribut. Der Materialverschleiß ist immens. Ständig müssen im laufenden Vortrieb Lösungen gefunden werden, Dichtungen, Ritzellager oder Abbauwerkzeuge getauscht oder saniert werden. Der 4,4 km lange Vortrieb dauert von 2011 bis 2014. In der Fachwelt hatten feste Zweifel vorgeherrscht, ob der Vortrieb überhaupt technisch möglich sei. Das Baustellenteam und der Herrenknecht-Support können die Zweifel ausräumen.

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Das Bild zeigt einen großen Tunnelbohrer an einer Baustelle. Im Vordergrund verlaufen Gleise in den Tunnel, während Arbeiter in grüner Kleidung sichtbar sind. Der Hintergrund zeigt städtische Gebäude und eine winterliche Landschaft. Die Szene vermittelt den Eindruck eines umfangreichen Tiefbauprojekts.

St. Petersburg | Russland

Um 30 Grad geneigt direkt ab Start in die Tiefe mit einem 10-Meter-EPB-Schild – das hatte es noch nicht gegeben. Es ist aber die einzige Lösung, um in St. Petersburg bisher nicht mit der Oberfläche verbundene U-Bahnstationen per Rolltreppe zugänglich zu machen. Herrenknecht wird angefragt und liefert: den EPB-Schild, die steil geneigte Anfahrkonstruktion, die Sicherung der Maschine gegen unkontrolliertes Abtauchen, die Tübbinglogistik und der Abraumtransport per Seilzug – alles, was neu gedacht werden muss im Vergleich zum horizontalen Vortrieb. Der Erfolg beim ersten Rolltreppenschacht im Jahr 2012 führt zu zwei weiteren Folgeprojekten unter ähnlich schrägen Verhältnissen.

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Die Baustelle der Zukunft

Wo Innovation auf Zeitdruck trifft
 

New Work ist nicht nur im Büro, ganz im Gegenteil: Technologie und Markt verändern die Abläufe auf der Baustelle radikal und eröffnen ungeahnte Möglichkeiten: Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung machen das Arbeiten sicherer und präziser. Auch Konzepte wie modulares Bauen und 3D-gedruckter Beton gewinnen in Zukunft an Bedeutung. Und die globalen Entwicklungen hören nicht auf: Zirkuläres Design, neue rechtliche und finanzielle Modelle wandeln das Bauen und Infrastruktur wird künftig verstärkt multifunktional und anpassungsfähig gestaltet. 

Eine digitale Grafik zeigt ein abstraktes, kreisförmiges Muster mit geometrischen Figuren in lebendigem Grün. Um das Muster herum verlaufen Linien und Datenströme, die ein modernes, technologisches Gefühl vermitteln. Die Fontanordnungen und Texte scheinen computergeneriert und komplex zu sein.

Digitale Visualisierung des Tunnelbaus

Wie bei Herrenknecht.Connected wird die Visualisierung von Maschinenteilen und Daten mehrerer Maschinen im Überblick zu einem immer mächtigeren Werkzeug.
 

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Eine große Tunnelbohrmaschine steht in einem tiefen Graben aus Stein. Der Bohraufsatz ist sichtbar, während einige Baustellenmaterialien im Hintergrund erkennbar sind. Über der Maschine liegt eine blaue Abdeckung.

Multifunktionale und anpassungsfähige Infrastruktur

Ein Beispiel dafür ist bereits jetzt das Projekt Stormwater Management and Road Tunnel (SMART) in Malaysia, das zugleich als Verkehrstunnel und Hochwasserschutz dient.

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Eine digitale Grafik zeigt ein abstraktes, kreisförmiges Muster mit geometrischen Figuren in lebendigem Grün. Um das Muster herum verlaufen Linien und Datenströme, die ein modernes, technologisches Gefühl vermitteln. Die Fontanordnungen und Texte scheinen computergeneriert und komplex zu sein.

Digitale Visualisierung des Tunnelbaus

Wie bei Herrenknecht.Connected wird die Visualisierung von Maschinenteilen und Daten mehrerer Maschinen im Überblick zu einem immer mächtigeren Werkzeug.
 

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Eine große Tunnelbohrmaschine steht in einem tiefen Graben aus Stein. Der Bohraufsatz ist sichtbar, während einige Baustellenmaterialien im Hintergrund erkennbar sind. Über der Maschine liegt eine blaue Abdeckung.

Multifunktionale und anpassungsfähige Infrastruktur

Ein Beispiel dafür ist bereits jetzt das Projekt Stormwater Management and Road Tunnel (SMART) in Malaysia, das zugleich als Verkehrstunnel und Hochwasserschutz dient.

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Baustelle der Zukunft - ein Zukunftsdialog

Was treibt die Transformation im Bauen voran – neue Technologien, intelligentere Prozesse oder ein grundlegendes Umdenken? Um das herauszufinden, haben wir mit drei Experten gesprochen: Hannes Lagger, Director of Priority Pursuits bei Arup, Dr. Karin Bäppler vom Bereich Business Development bei Herrenknecht sowie ihr Kollege Frederic Seng vom Bereich Technology & Innovation. Sie geben Einblicke in die Entwicklung der Branche und erläutern, was nötig ist, um Baustellen intelligenter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten.

Wie werden Infrastrukturplanung und -gestaltung bis 2040 ausshen?

„Die fortschreitende Urbanisierung führt zu einer Konzentration der Bevölkerung und setzt die Infrastruktur unter Druck. Bis 2050 werden fast 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Zukünftig könnten unterirdische Räume Energieanlagen, Rechenzentren oder Landwirtschaft beherbergen. Es sind adaptive Systeme nötig, die mehrere Funktionen erfüllen, wenn Städte in die Tiefe bauen.“ 

Hannes Lagger

Wie stellen Sie sich die Baustelle der Zukunft vor?

„Die Baustelle der Zukunft wird autonom, regenerativ und intelligenter. Alle Abläufe, vom Materialtransport bis zur Montage, sind automatisiert. 2040 steuern vielleicht nur noch vier Personen von einer Leitstelle aus die gesamte Baustelle.“ 

Dr. Karin Bäppler

Werden Bediener Maschinen künftig mit ihren Gedanken steuern?

„Es ist durchaus vorstellbar, dass Maschinen künftig mit den Gedanken gesteuert werden. Neuronale Schnittstellen werden in der Medizin bereits eingesetzt und könnten eine Gedankensteuerung etwa mit Exoskeletten ermöglichen. Die Wartung durch Roboter ist bereits Realität, etwa mit automatischen Werkzeugwechslern oder Systemen, die hinter der TBM arbeiten.“

Frederic Seng


All Dimensions

In unserem Print-Magazin stellen wir die ganze Bandbreite der maschinellen Vortriebstechnik vor und möchten Ihnen damit neue Perspektiven anbieten. Neben Projektberichten eröffnen renommierte Experten und Gastautoren den Blick in Gesellschaftspolitik und Wirtschaft. 

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Ihre Ansprechpartner Kontaktieren Sie uns

Steffen Dubé President and General Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser Commercial Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.