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Tunnelbohrmaschine beendet Unterquerung der Elbe

Hightech aus Deutschland zeigt Spitzenleistung: 5,2 Kilometer Kabeltunnel für die Elbquerung von SuedLink wurden im Auftrag von TenneT Germany in weniger als 18 Monaten Bauzeit erstellt. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein bei einem der größten Netzausbauprojekte Deutschlands erreicht.
 

08. Juli 2026, Schwanau, Deutschland. SuedLink ist als eine von mehreren in Deutschland geplanten Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) ein zentrales Projekt des Ausbaus der Energieinfrastruktur in Deutschland. Mit rund 700 Kilometern Länge soll die „Stromautobahn“ der beiden Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany und TransnetBW zukünftig die norddeutschen Off- und Onshore-Windkraftgebiete mit den süddeutschen Industriestandorten in Bayern und Baden-Württemberg verbinden.

SuedLink wird mit einer Übertragungskapazität von 4 Gigawatt Strom von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportieren. Dazu unterqueren die 525-Kilovolt-Gleichstrom-Leitungen die Elbe in einem rund 5,2 Kilometer langen Tunnel von Wewelsfleth (Schleswig-Holstein) nach Wischhafen (Niedersachsen). Mit dem Durchbruch in den Zielschacht am 22.06.2026 schloss die Elsa getaufte Tunnelbohrmaschine (TBM) die im Februar 2025 gestarteten Vortriebsarbeiten ab. Dabei wurden pro Monat durchschnittlich 233 Tunnelringe aus Betontübbingen errichtet, was monatlich 303 Metern Tunnelstrecke entspricht.

PORR errichtet den Kabeltunnel für die Elbquerung von SuedLink im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers TenneT. PORR hat mit dem Bau des Tunnels  die ARGE Tunnel ElbX, eine Arbeitsgemeinschaft von PORR und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, beauftragt. Der Tunnel wird neben den sechs Erdkabeln die dazugehörende Gebäude-, Sicherheits-, Leit- und Überwachungstechnik sowie Schienen für die bei Wartung und Reparaturen nötigen Tunnelfahrzeuge aufnehmen.

Mixschild für sehr wechselhafte Geologie und hohen Wasserdruck

Für den Bau des Tunnels bestellte die ARGE Tunnel ElbX bei der Herrenknecht AG eine speziell auf die Projektanforderungen ausgerichtete Tunnelbohrmaschine (TBM). Die TBM vom Typ Mixschild hat 4.900 Millimeter Durchmesser, ist 190 Meter lang und wiegt insgesamt 700 Tonnen. Herausfordernd für den Tunnelvortrieb waren bei ElbX insbesondere die Geologie, die hohe Wasserdurchlässigkeit des Baugrunds bzw. der Wasserdruck unter der Elbe, und der für einen Mixschild relativ kompakte Durchmesser.

„Auf der Bohrstrecke unter der Elbe findet sich eine sehr wechselhafte Geologie aus Ton, Klei, Torf, Sand, Kies sowie Steinen und Findlingen. Gegen den äußerst klebrigen Lauenburger Ton auf der geologisch sehr heterogenen Bohrstrecke ist die TBM mit einer starken Zentrumsspülung am Schneidrad mit einer Kapazität von 500 Kubikmetern pro Stunde ausgestattet“, erklärt Herrenknecht-Projektleiter Johannes Faißt. Insgesamt flossen stündlich beeindruckende 1.200 Kubikmeter Bentonitsuspension durch den Förderkreislauf der Maschine. Damit wurde verhindert, dass das Schneidrad und die darauf montierten Abbauwerkzeuge verkleben.

Der Mixschild ist gegen den Wasserdruck von bis zu 3,8 Bar, der 20 Meter unter dem Flussbett herrscht, mit einem mehrfachen Dichtungssystem abgedichtet. Die TBM gräbt nicht nur den Tunnel, sondern baut ihn gleichzeitig auch mit angelieferten Betonfertigteilen, sogenannten Tübbingen, aus. Der Tunnel wird einen Innendurchmesser von 4 Metern und einen Außendurchmesser von 4,60 Metern haben. Für den Trassenverlauf von ElbX mit Kurve, Gefälle und Steigung ist die TBM mit einem Navigationssystem der Herrenknecht-Tochtergesellschaft VMT ausgestattet.

„Die konstruktionstechnische Herausforderung bestand darin, die Technik eines hochkomplexen Mixschilds in einer Maschine von nur knapp fünf Metern Durchmesser unterzubringen: Förderkreislauf, Elektrik, Hydraulik, Lüftungsanlagen, die Transportanlage für Tübbinge und Laufwegen für die Mannschaft auf der Maschine. Die Anlagen zur Versorgung der Maschine verteilen sich deshalb auf zwölf Nachläufer“, betont Projektleiter Faißt, der „seine“ Maschine während der Bauzeit regelmäßig besuchte.

Umfangreiche Separationstechnologie

Herrenknecht Separations lieferte zudem eine maßgeschneiderte Separationsanlage mit Kammerfilterpressen zur Feinstoffentwässerung sowie zwei Wasseraufbereitungsanlagen an Start- und Zielschacht.

Die Separationsanlage stellte den kontinuierlichen Slurry-Kreislauf sicher und ermöglichte damit eine stabile und leistungsfähige Vortriebsleistung der Tunnelbohrmaschine. „Die Filterpressen sorgten für eine effiziente Entwässerung selbst feinster Partikel und reduzierten so Entsorgungsaufwand und -kosten“, erklärt Gino Vogt, Head of Herrenknecht Separations. Die beiden Wasseraufbereitungsanlagen am Start- und am Zielschacht gewährleisteten die ressourcenschonende Bereitstellung von Prozesswasser sowie die sichere Reinigung und Rückführung in die Elbe unter Einhaltung strenger Umweltauflagen.

Maßgenaue Schalungen für 24.000 Tübbinge

Herrenknecht Formwork stellte die Tübbingschalungen inklusive 3D-Vermessung für die Produktion der Betonfertigteile für den Tunnelbau sowie die Handlinggeräte zum Ausschalen, Wenden und Transportieren her. Das 5,2 Kilometer lange Tunnelbauwerk besteht aus rund 4.000 Tübbingringen mit einer Breite von 1.300 Millimetern, die sich aus jeweils 6 Elementen zusammensetzen. Die Schalungen sicherten höchste Maßgenauigkeit über den gesamten Produktionsprozess der insgesamt 24.000 Tübbinge – eine entscheidende Voraussetzung für die Passgenauigkeit der Tübbinge und somit der Qualität des Tunnelbauwerks.

Herrenknecht-Technologie für die Schlüsselstellen des Netzausbaus

ElbX ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie maschinelle Vortriebstechnologie von Herrenknecht den Ausbau des Stromnetzes zur Umsetzung im Zuge der Dekarbonisierung unterstützt. Tunnel für Hochspannungskabel werden mit Herrenknecht-TBM in vielen Ländern und auch innerstädtisch in Metropolen wie Berlin oder London gebaut. Herrenknecht bietet für unterirdische Querungen von bestehenden Infrastrukturen oder topographischen Hindernissen neben Tunnellösungen verschiedene Bohr- und Verlegetechnologien für den Schutzrohr- und Leitungsbau sowie für Gas- oder Wasserstoffpipelines an. Allein für Deutschland rechnet man mit 4.500 Querungen, die die zahlreichen Netzausbauprojekte mit sich bringen.

PROJEKTDATEN SuedLink ElbX

  • Bauherr: TenneT TSO GmbH
  • Auftraggeber: ARGE Tunnel ElbX (PORR GmbH & Co. KGaA und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG)
  • Anwendung: Tunnel für Hochspannungs-Erdkabel
  • Vortriebslänge: rund 5,2 km
  • Geologie: Beckenschluff, Lauenburger Ton, Sande & Feinsande, Kiese
  • Maschine: 1 x Mixschild | Durchmesser: 4.900 mm | Antriebsleistung: 720 kW







     

Ihre Ansprechpartner Kontaktieren Sie uns

Steffen Dubé President and General Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser Commercial Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.