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Megacities

Die Stadt in neuen Dimensionen

Das Wachstum der Megacities

Was macht eine Stadt lebenswert? Wie wollen Menschen in Metropolen leben, die immer größer und komplexer werden? Schon jetzt wohnt über die Hälfte der Menschheit in Städten, bis 2050 sollen es schon sieben von zehn Milliarden Menschen sein. Doch der Raum ist begrenzt – ihn trotzdem lebenswert zu gestalten, ist unsere größte Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Und so werden weltweit Pläne dafür entworfen. Sie verdeutlichen, dass eine bislang vernachlässigte Dimension zunehmend ins Blickfeld gerät: der Untergrund.

Der Untergrund ist die Lösung

Bereits im 19. Jahrhundert erreichten die Metropolen Europas und Nordamerikas eine kritische Größe. Dank Baumaßnahmen – Abwasserkanäle, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, später die ersten U-Bahnen – konnten sie sich weiter entwickeln. Doch ihre Infrastrukturen sind nicht mehr leistungsfähig genug. Die Lösung suchen und finden die Städte wieder unter der Erde: London hat mit seiner neuen Eisenbahnlinie Crossrail (42 Kilometer neue Tunnel) vorgelegt. Das Pariser Metronetz wird um rund 200 Kilometer erweitert. New York hat jüngst eine weitere Metrolinie eingeweiht und auch St. Petersburg baut bis 2048 sein U-Bahn-Netz um rund 135 neue Metrokilometer und 49 neue Stationen aus.

Vorreiter China

Während in der EU und in den USA seit 1992 etwa 2,6 Prozent des nationalen Einkommens für Infrastruktur aufgewendet werden, sind es in China jedes Jahr im Schnitt 8,5 Prozent – und das ist vielerorts wahrnehmbar. Die chinesischen Megacities sind über moderne, effiziente Schnellbahnsysteme verbunden. Shanghai und Peking verfügen über die weltweit größten U-Bahn-Netze (Gesamtlänge von rund 650 bzw. 600 Kilometern). Die südchinesische Metropole Shenzhen plant, ihr Metronetz bis 2025 von rund 300 auf 1000 Kilometer zu erweitern. Selbst mittelgroße Städte setzen auf Metros und Straßenbahnen, weil das vorhandene Straßennetz dem zunehmenden Autoverkehr nicht mehr gewachsen ist.

Musterschüler Singapur

Seit der Gründung 1965 als Stadtstaat hat Singapur eine vorbildliche Infrastruktur aufgebaut. Begrünte Hochhäuser und futuristische Parks lassen die Stadt schon heute aussehen wie aus der Zukunft. Ebenso zukunftsweisend: der Nahverkehr. Das dichte, hoch getaktete U-Bahn-System, die Mass Rapid Transit (MRT), gilt als eines der preiswertesten der Welt. Um weiterhin optimal auf den chronischen Platzmangel vorbereitet zu sein, hat Singapur einen „Underground Masterplan“ entwickelt: Auf der Suche nach Nutzfläche wächst die Stadt in die Höhe, ins Meer und auch in die Tiefe. Schon jetzt verlaufen 100 Kilometer U-Bahn-Strecken und 17 Kilometer Schnellstraßen unter Tage. Fußgänger sind auf unterirdischen Fußwegen und Shopping Malls vor den Witterungen geschützt. Selbst ein Munitions- und ein Petrochemielager hat die Stadt in den Untergrund verlegt.

Helsinki: Ganzheitliche Stadtplanung

Auch die finnische Hauptstadt Helsinki hat einen weitreichenden Plan für die Entwicklung ihrer Unterwelt ausgearbeitet. Im Jahr 2011 erschien der erste U-Bebauungsplan für die Großstadt und ihr Einzugsgebiet. Dieser enthielt unterirdische Einrichtungen wie Parkhäuser und Ladenpassagen, ein IT-Datencenter, ein Schwimmbad und eine Kläranlage. Mehr als 100 neue Tiefbaumaßnahmen wurden vorgemerkt – und abgearbeitet. „Grundsätzlich alles kann unter der Erde gebaut werden“, glaubt Mikael Rinne, Programmdirektor für Geoengineering an der Aalto-Universität von Helsinki und Espoo. „Die Verstädterung wird unweigerlich dazu führen, mehr unter Tage zu bauen.“ Das sei oft effizienter und umweltschonender, da keine Wände und Decken errichtet werden müssen. Und das abgetragene Gestein kann anderweitig verwendet werden.

„Wir müssen das Konzept ‚Stadt weiterdenken und ‚grünen Urbanismus konsequent umsetzen.“

Prof. Dr.-Ing. Steffen Lehmann, Professor für Nachhaltige Architektur an der University of Portsmouth

Die Stadt weitergedacht

Visionäre Ideen für die vielfältige Nutzung des Untergrunds im Überblick:

Nicht „Skyscraper“, sondern „Earthscraper“: Das Büro Bunker Arquitectura in Mexiko-Stadt entwickelte im Jahr 2009 die Vision eines 65-stöckigen „Tiefhauses“, das als umgekehrte Pyramide 300 Meter in die Erde hinein- statt über sie hinausragt. Der Clou des Earthscrapers ist ein sich nach unten hin verjüngendes Atrium, das alle Geschosse mit Tageslicht und Frischluft versorgt. Zwar wurde der für einen belebten Platz im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt entworfene Bau bislang nicht realisiert, doch in Shanghai soll Ende 2018 das „Deep Pit Hotel“ eröffnet werden: Ein Fünf-Sterne-Haus, das in einem aufgelassenen, fast 90 Meter tiefen Steinbruch errichtet wurde. „Das erste unterirdische Luxushotel der Welt“ erlaubt Ausblicke auf eine abgestufte Unterwelt-Terrassenlandschaft – während Wasser von der Erdoberfläche über seine Glasfassade hinabläuft.

Earthscraper: Unterirdisch Leben

Mit der neuen Französischen Nationalbibliothek in Paris ist Dominique Perrault 1996 zum Stararchitekten aufgestiegen – indem er einen Abstieg hinlegte. Lesesäle und sogar ein ganzes Wäldchen hat Perrault bis zu 14 Meter unter das Niveau der vorbeifließenden Seine verlagert, sodass zwischen den aufragenden Türmen der Bibliothek ein unbebauter Freiraum erhalten blieb. So wie bei der Piazza Garibaldi, dem Platz am Bahnhof von Neapel, den der Architekt über mehrere Ebenen bis zu 40 Meter in die Tiefe erweiterte. Dank Lichthöfen und reflektierenden Verblendungen merkt man dem Raum oft gar nicht an, dass er unter der Erde liegt. In Seoul gestaltete Perrault einen Campus-Komplex, der oberirdisch ein grüner Landschaftspark ist. Nur eine Schneise führt unter die Oberfläche. Für ausreichend natürliches Licht sorgen zahlreiche Tageslichtschächte und Fenster.

Öffentliche Architektur: In der Tiefe

In Zeiten, in denen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der Diskussion sind und die City-Maut zu einer modernen Stadtmauer zu werden droht, sind neuartige Transportsysteme gefordert. Transportkapseln im Untergrund stellen eine Alternative dar. Beispiele sind die CargoCaps und das Schweizer Projekt „Cargo Sous Terrain“. Elektrisch selbstfahrende Fracht-Kapseln transportieren in der Vision Waren durch ein Tunnelsystem. Am Stadtrand gelegene Logistik-Knotenpunkte dienen als Übergabestellen der Güter von der Straße oder Schiene auf das unterirdische System; an innerstädtischen „City Hubs“ tauchen die Norm-Paletten wieder auf und werden für den letzten Wegabschnitt bis zum Kunden zum Beispiel auf „umweltfreundliche E-Karren oder Lastenfahrräder“ verteilt. Die Technik dieser „Zero-Emission-Lösung“ soll heute schon einsatzfähig sein.

Güterverkehr: Überholspur im Erdreich

Nach modernsten Erkenntnissen der Agrarwissenschaft steckt in der Unterwelt vieler Metropolen das Potential, wesentlich zur Versorgung ihrer Bevölkerung mit erntefrischem Getreide und Gemüse beizutragen. Wie das geht, zeigt aktuell die Londoner Initiative „Growing Underground“: Mitten im Londoner Stadtteil Clapham verbirgt sich 33 Meter unter der Erde ein ausgedehnter Gemüse- und Kräuteranbau – im ehemaligen Luftschutzbunker eines alten U-Bahn-Tunnels. Die Hydrokulturen, in denen Sellerie, Brokkoli oder Basilikum sprießen, verbrauchen laut Werbebroschüre „70 Prozent weniger Wasser als traditionelle Landwirtschaftsmethoden“.

Ernährung: Treibhaus in der Tiefe

Paris läutet eine neue Ära ein: Grand Paris Express

Lesen Sie hier, wie die französische Hauptstadt in einem Jahrhundert-Bauvorhaben das öffentliche Transportsystem modernisiert:

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Jack Brockway Geschäftsführer Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser COO Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.

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