Porträt Herrenknecht Australien

Passionierter Tunnel-Ingenieur zwischen Kontinenten und Zeitzonen

Es waren nicht gerade die Boomzeiten, als Charles Howarth seine Karriere bei der Herrenknecht-Tochtergesellschaft in Australien begann. Doch er baute erfolgreich ein Experten-Team für das deutsche Unternehmen auf der anderen Seite der Erdkugel auf. Bis heute ist er mit seinem Team die Brücke zwischen Kontinenten und Zeitzonen. Begegnung mit einem Tunnelling-Pionier, der gerne Hindernisse aus dem Weg räumt.

Extreme Hitze, große Entfernungen und die enorme geografische Ferne von globalen Knotenpunkten: Leben und Arbeiten in Australien kann einen ziemlich fordern. „Wir haben nicht den Zugang zu Waren und Dienstleistungen, wie etwa Europa, Asien und Amerika“, sagt Charles Howarth, Leiter der australischen Herrenknecht-Tochtergesellschaft. „Um hier Business zu machen, musst Du belastbar und einfallsreich sein.“ Das sei ohnehin das Naturell der Menschen in Down Under: Die Kunst, Widrigkeiten in Chancen zu verwandeln.

Zwischen seinem Land und dem Rest der Welt liegt immer mindestens der Indische Ozean. „Wenn dir in Europa eine TBM-Komponente ausfällt, ist das deutsche Herrenknecht-Werk nicht weit. Und sollte das Teil dort nicht verfügbar sein, kann der Hauptsitz schnell auf sein europäisches Lieferantennetzwerk zugreifen“, so Howarth. „Wenn Du das Ersatzteil aber in Australien nicht findest, ist deine nächste Chance vielleicht Singapur.“ Die Folgen sind ein hoher organisatorischer Aufwand und lange Lieferzeiten, aber eben auch Menschen, die lernen vor Ort zu improvisieren: „Einmal riss ein Gummischlauch zwischen Förderpumpe und Förderrohr einer laufenden TBM“, erinnert sich der 46-jährige. „Ein ganz simples Teil, das jedoch nirgends auf Lager war.“ Also orderte er den Schlauch von einer 900 Kilometer entfernten, noch nicht montierten TBM und ließ ihn auf die dortige Baustelle nachliefern.

Einmal Deutschland und zurück

Howarth kennt das Leben auf beiden Seiten des Ozeans. In den Neunzigerjahren kam er mit seiner Ehefrau nach Deutschland, um für einen australischen Zulieferer von Herrenknecht Sondier- und Ankerbohrgeräte zu designen und die gemeinsamen Projekte zu managen. Er flog damals von einem australischen Sommer mit 36 Grad Celsius direkt in einen harschen mitteleuropäischen Winter. „Als ich landete, war alles vereist und dichter Nebel verhüllte die Landschaft“, erinnert er sich. „Auch die deutsche Sprache machte mir zu schaffen.“ Doch Howarth wäre nicht der, der er ist, hätte er sich damals nicht durchgeschlagen. Er unterstützte Herrenknecht-Projekte von Europa bis zum Mittleren Osten und half beim Design der TBM für den Gotthard-Basistunnel. Die verschiedenen Jahreszeiten in Europa lernte er lieben – und eröffnete für seine damalige Firma ein eigenes Büro in Offenburg.

Nachdem seine Frau 2004 den ersten gemeinsamen Sohn im Lahrer Krankenhaus zur Welt gebracht hatte, begannen die Rufe der Großeltern in Australien – nach der Geburt des zweiten Sohnes 2006 wurden sie unüberhörbar: Das Ehepaar solle doch bitte endlich samt Enkelkindern zurückkehren. Da kam es gerade Recht, dass Herrenknecht ein Jahr später das Los für CLEM7, die Bauarbeiten am Clem Jones Tunnel in Brisbane, im Bundesstaat Queensland gewann. Nachdem er sich vor Ort als Projektmanager bewiesen hatte, erhielt Howarth den Auftrag, mit seinem Team in Brisbane die australische Herrenknecht-Tochtergesellschaft zu unterstützen.

Immer auf Empfang

Die Weltwirtschaftskrise 2008 erschütterte auch die australische Baubranche und war die nächste große Hürde, die Herrenknecht überwinden musste. „Wir hatten das Glück, dass noch während CLEM7 der Auftrag für Brisbane Airport Link reinkam“, sagt er heute. Das habe Arbeit für die nächsten dreieinhalb Jahre gesichert. „Damit haben wir auf australischem Boden Fuß fassen können.“

In den dreizehn Jahren haben Howarth und seine Mitarbeiter zahlreiche Großprojekte in Australien und Neuseeland betreut, darunter Legacy Way in Brisbane, Waterview in Auckland und Forrestfield-Airport Link in Perth. Weil die zeitliche Differenz nach Schwanau in Deutschland bis zu zwölf Stunden beträgt, wenn er etwa im neuseeländischen Auckland arbeitet, kennt Charles Howarths Mobiltelefon keinen Ruhemodus – und er selbst kaum einen Feierabend. „Ich kann nur schwer abschalten“, sagt er und lacht. „Wenn mein Körper sich ausruht, arbeitet mein Hirn manchmal noch weiter an der Baustelle.“ Umso wichtiger sind ihm die regelmäßigen Radausflüge mit seinen Söhnen oder weite Joggingrunden durch die Nachbarschaft.

Einmal im Jahr nimmt er seine Familie mit auf die Farm seiner Eltern, nach Bathurst im Landesinneren. Meist um die Weihnachtszeit verbringen sie dort ein paar Tage, weit weg von ihren elektronischen Geräten und dem hektischen Treiben der Großstadt. Hier können seine Jungs Radfahren, die Flusslandschaft erkunden und durch den Busch streifen. Auch Charles Howarth kommt dann zur Ruhe. Oder vielleicht müsste man in seinem Fall sagen: er nimmt Anlauf für die nächsten Aufgaben.

Begleiten Sie Charles Howarth zu einem kürzlich abgeschlossenen Projekt: 

Hier erfahren Sie mehr über das Sydney Metro Projekt.

Ihre Ansprechpartner Kontaktieren Sie uns

Jack Brockway Geschäftsführer Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser COO Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.