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Bern
Schweiz, Bern
2011

Die Schweizer Bundeshauptstadt Bern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2039 Bevölkerung und Wirtschaft ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen. So sieht es ein Volksentscheid aus dem Jahr 2010 vor, der Bern zu einer Vorreiterrolle im Vergleich zu anderen Schweizer Gemeinden verhilft. Auf dem Weg dorthin erreicht der Energieversorger Energie Wasser Bern (ewb) im Juni 2012 einen Meilenstein. Er gibt den Startschuss für die Inbetriebnahme der neu errichteten Energiezentrale Forsthaus. Ab voraussichtlich Anfang 2013 wird sie eine über 60 Jahre alte Kehrichtverwertungsanlage ersetzen und rund 290.000 Megawattstunden (MWh) Fernwärme, 40.000 MWh Dampf sowie 360.000 MWh Strom pro Jahr erzeugen. Damit wird unter anderem rund ein Drittel des Berner Strombedarfs gedeckt.

Eine Schweizer Premiere ist die Kombination einer Kehrichtverwertungsanlage mit einem Holzheizkraftwerk sowie einem Gas- und Dampf-Kombikraftwerk. Hinzu kommt eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Energiezentrale. Das zu verwertende Frisch-, Alt- und Restholz soll ausschließlich aus nahe gelegenen Quellen stammen, um die Transportwege kurz zu halten. Mit der Energiezentrale Forsthaus setzt Energie Wasser Bern auf Effizienz sowie regenerative und eigenständige Energieerzeugung. Mit der neuen Anlage sinkt laut ewb der gesamte CO2-Austoß für die Berner Stromversorgung pro Jahr um 57.000 Tonnen.

Die ausführende Baufirma setzt eine 130 Tonnen schwere Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine für den Vortrieb zweier Werkleitungsstollen ein. Sie verlaufen in einer Tiefe zwischen sieben und 18 Metern durch kiesigen und tonigen Untergrund und verbinden die Energiezentrale Forsthaus mit dem Fernwärmenetz. Die Microtunnelling-Anlage vom Typ AVND2500AH (Durchmesser 3.600 mm) unterquert auf dem ersten 485 Meter langen Abschnitt die Gleise der SBB am nahe gelegenen Güterbahnhof, ohne dass es hierbei zu Setzungen kommen darf. Das Untertageteam steuert die AVND von Herrenknecht so präzise, dass der laufende Bahnbetrieb nicht gestört wurde.

Nach nur neun Wochen Vortrieb und dem ersten erfolgreichen Durchstich auf der Berner Baustelle dreht das Bohrteam im Zwischenschacht die Herrenknecht-Vortriebsmaschine um 90 Grad in Richtung des nächsten Abschnittes. Für den zweiten Vortrieb muss die Versorgungslogistik (beispielsweise der Kreislauf zur An- und Abförderung der Spülflüssigkeit) der Maschine so angepasst werden, dass das oberirdische Equipment (beispielsweise die Separationsanlage) am ursprünglichen Startschacht verbleiben kann. Auf dem 80 Meter langen Weg zum endgültigen Ziel gilt es, eine 300 Jahre alte Eiche zu unterqueren, ohne ihr Wurzelwerk zu beschädigen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Vortriebsarbeiten im Jahr 2011 können die Leitungen für Fernwärme, Dampf und Strom installiert werden.

Anfang 2013 wird die neue Energiezentrale Forsthaus an das Fernwärmenetz angeschlossen und der Normalbetrieb aufgenommen. Parallel laufen dann bereits die Rückbauarbeiten rund um die alte Kehrichtverwertungsanlage. Für die Anwohner reduzieren sich damit die Lärm- und Geruchsbelastungen erheblich und es wird Platz geschaffen für eine neue Wohnbebauung in der Bundeshauptstadt Bern.

Datenblatt

Land, Ort

Schweiz, Bern

Jahr

2011

Anwendung

Elektrizität, Fernwärme, Dampf

Geologie

Weiche Böden
Kies, Ton

Vortriebslänge

565 m

Maschinendaten

1x AVN-Maschine:
Durchmesser: 3.600 mm
Ausbauverfahren: Rohrvortrieb
Antriebsleistung: 400 kW
Drehmoment: 1.600 kNm

Ihre Ansprechpartner Kontaktieren Sie uns

Jack Brockway Geschäftsführer Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser COO Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.