Thames Tideway Tunnel
Großbritannien, London
2019 – heute
Für eine saubere Themse – und besseres Leben am Fluss

Ein echtes Jahrhundertprojekt für umweltfreundliche und gesunde Abwasserentsorgung der Weltstadt London ist der Thames Tideway Tunnel. Herrenknecht ist bei diesem wegweisenden Bauwerk mit drei Tunnelbohrmaschinen dabei. Sie fahren mehr als 17 der insgesamt über 25 Kilometer des Kanaltunnelsystems in Tiefen von 30 bis 66 Metern auf.

Das bisherige Londoner Abwasserkanalsystem ist schon über 150 Jahre alt und war von seinem Konstrukteur, Sir Joseph Bazalgette, auf 4 Millionen Einwohner ausgelegt. Heute leben fast 9 Millionen Menschen in der britischen Hauptstadt. Damit sind die alten Kanäle komplett überlastet: Jährlich fließen mehrere zehn Millionen Kubikmeter Abwasser ungeklärt in die Themse.

Der neue XXL-Abwassertunnel – auch „Super Sewer“ genannt – wird in Zukunft 90 bis 95 Prozent davon ableiten und so für eine deutlich bessere Wasserqualität der Themse sorgen. Dann fließt das Schmutzwasser über den 2016, ebenfalls mit Unterstützung von Herrenknecht, fertig gestellten Lee Tunnel zur Wasseraufbereitung in die aufgerüstete Kläranlage Beckton Sewage Treatment Plant und von dort gereinigt und aufbereitet in die Themse. Damit beginnt mit der Fertigstellung des Thames Tideway Tunnels nicht nur eine ganz neue Ära der Abwasserentsorgung in der Millionenmetropole. Durch die gehobene Wasserqualität verbessert sich auch das Leben am Fluss. Dazu schafft das neue Tunnelsystem erstmals seit Generationen neue Flächen für öffentliches Leben entlang der Themse in sieben neuen Parkanlagen.

Doch nicht nur der Endzustand des Projektes ist ökologisch wertvoll, bei der Projektdurchführung selbst setzt der Bauherr Tideway ebenso auf Nachhaltigkeit. Etwa 95 Prozent des Materials werden per Schiff transportiert. Dabei handelt es sich um mehr als 4 Millionen Tonnen Material. Jede Schiffsladung entspricht etwa 93 Lkw und insgesamt können so 250.000 Lkw-Fahrten durch die Stadt vermieden werden.

Mit Rachel, Annie und Selina durch den Londoner Untergrund
Auch die drei Herrenknecht Tunnelbohrmaschinen, die Mixschilde Selina und Annie sowie der Erddruckschild Rachel werden nach London verschifft. Die Maschinen bekommen ihre Namen nach einer öffentlichen Abstimmung zu Ehren inspirierender Londoner Frauen. Die TBM Rachel erinnert an Rachel Parsons, die Gründungsvorsitzende der „Women's Engineering Society“ und frühere Bewohnerin von Fulham war. Annie Scott Dill Maunder (geborene Russell) war die erste wissenschaftliche Astronomin am „Royal Observatory“ in Greenwich. Dr. Selina Fox, gründete 1904 die Bermondsey Medical Mission, ein kleines Krankenhaus für Arme und Benachteiligte, vor allem Frauen und Kinder. Noch heute ist es als wohltätige Einrichtung aktiv.

TBM Rachel ist die erste Herrenknecht-Maschine im Thames Tideway Tunnel. Nach ihrer Schiffsreise von Kehl nach London übernehmen Herrenknecht-Spezialisten vor Ort die Montage auf der Baustelle. Am 10. Mai 2019 startet die 1.350 Tonnen schwere 8.100-Millimeter-Durchmesser-Maschine ihre unterirdische Reise von Carnwath Road Riverside bis Acton in 35 Metern Tiefe. Ihren finalen Durchbruch nach 6.892 Metern erreicht sie am 24. September 2020.

Im Dezember 2020 macht sich die etwas kleinere, aber immer noch etwa 100 Meter lange und 960 Tonnen schwere TBM Annie auf den Weg. Mit Gottes Segen und dem traditionellen Schutz der Heiligen Barbara startet die 6.410-Millimeter-Mixschild-Maschine an der Greenwich Pumpstation den Bau des 4.615 Meter langen Greenwich-Verbindungstunnel. Er schließt den Großteil von Londons Südosten bei Chambers Wharf an den Thames Tideway Tunnel an.

Mit dem Herrenknecht-Mixschild Selina beginnt im Januar 2021 in 60 Metern Tiefe der Endspurt des Super Sewers: Er gräbt die östliche, am tiefsten verlaufende Tunnelstrecke über eine Länge von 5.530 Meter - von Chambers Wharf bis Abbey Mills Pumping Station, 66 Meter unter der Stadt. Vor dem erfolgreichen Vortriebsstart in London hatten die Herrenknecht-Ingenieure und beauftragten Logistiker eine wahrhaft schwere Aufgabe: Um die Maschinenmontage am Startschacht i London möglichst effizient durchführen zu können, sollte die Schildmaschine mit Schneidrad in einem Stück, also nicht wie üblich in kleiner Segmente demontiert, von Deutschland nach Großbritannien verschifft werden. Bei der Verladung im Rheinhafen Kehl wurde deshalb das schwerste Stückgut in der Geschichte des Unternehmens gemeistert: 950 Tonnen.

Neben den drei Tunnelvortriebsmaschinen Rachel, Annie und Selina liefert Herrenknecht für Thames Tideway Tunnel zwei neu konstruierte Anlagen für die Baulose „C 410 Central Section“. Die beiden Anlagen folgen den dort eingesetzten Schalwagen für die Sekundärauskleidung der Tunnel und sind die Entlade- und Umschlagsstationen für die Züge, die im Tunnel den Beton für den Schalwagen anliefern. Die Nachläufer zur Versorgung des Schalwagens können hierbei zwei Züge auf zwei parallelen Gleisen aufnehmen. Darüber hinaus bauen sie die vom TBM-Vortrieb verbleibenden Tunnelinstallationen zurück.

Damit trägt Herrenknechts Teamwork dazu bei, das größte Infrastrukturprojekt der britischen Wasserindustrie zum Erfolg zu führen: Für eine saubere Themse sowie ein besseres und gesünderes Leben für Millionen Menschen in der britischen Metropole. Im Jahr 2024 soll es so weit sein.

Tideway

Datenblatt

Land, Ort

Großbritannien, London

Jahr

2019 – heute

Anwendung

Abwasser

Geologie

Weiche Böden:
London Clay, Kreide mit Zündsteinen

Vortriebslänge

17.037 m

Maschinendaten

1x EPB-Schild "Rachel"
Durchmesser: 8.100 mm
Ausbauverfahren: Tübbingausbau
Antriebsleistung: 1.920 kW
Drehmoment: 7.936 kNm

1x Mixschild "Annie"
Durchmesser: 6.410 mm
Ausbauverfahren: Tübbingausbau
Antriebsleistung: 960 kW
Drehmoment: 3.179 kNm

1x Mixschild "Selina"
Durchmesser: 8.850 mm
Ausbauverfahren: Tübbingausbau
Antriebsleistung: 1.600 kW
Drehmoment: 6.613 kNm

Ihre Ansprechpartner Kontaktieren Sie uns

Steffen Dubé President and General Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA Inc.
Gerhard Goisser Commercial Manager Herrenknecht Tunnelling Systems USA, Inc.